Montafon

Zwischen präparierter Perfektion und stiller Wildnis

© Stefan Kothner – Montafon Tourismus GmbH

Das Montafon liegt im Süden Vorarlbergs, eingebettet zwischen Rätikon, Silvretta und Verwall. Eine alpine Region, geprägt vom Leben mit den Bergen – von Alpwirtschaft, Bergbau, Bewegung. Heute verbindet das Tal Tradition und Moderne auf eine ganz selbstverständliche Art: mit weiten Skigebieten, über 295 Pistenkilometern, modernen Bahnen und internationalen Sportevents – und gleichzeitig mit stillen Seitentälern, Maisässen, alten Geschichten und viel Raum für Rückzug.

Diese Gegensätze spürt man nicht sofort. Man muss bleiben. Wiederkommen. Vergleichen.
Manchmal braucht es zwei Wochenenden, um eine Region wirklich zu verstehen.
Und manchmal erzählen genau diese Gegensätze die ehrlichste Geschichte.

Für meine Frau und mich ist das Montafon genau das:
eine Region, die beides kann. Moderne. Und Ursprünglichkeit. Luxus. Und Stille. Piste. Und Spur.

Wir haben das Montafon an zwei völlig unterschiedlichen Wochenenden erlebt – und genau darin lag seine Magie.

© Jo Dollinger

© Amrai Suites – Mela Hipp

Schruns & das Leben auf der Piste

Unser erstes Wochenende führt uns nach Schruns – mitten hinein in das klassische Winterleben des Montafons. Hier ist Bewegung, hier ist Rhythmus, hier trifft man sich nach dem Skitag. Die Tage beginnen früh, die Abende enden oft später als geplant.
Wir wohnen in den Amrai Suites, einem Haus, das tief in der Region verwurzelt ist und diese Verbundenheit leise, aber konsequent lebt. Der Name AMRAI stammt aus dem Montafonischen, ein alter Mädchenname, der hier als Haltung weiterlebt: regional, warm, stilsicher.
Das zeigt sich in vielen Details – von der Architektur bis zum Materialkonzept. Kupfer erinnert an den historischen Bergbau des Montafons, der das Tal über Jahrhunderte geprägt hat. Auch das Montafoner Steinschaf taucht immer wieder auf – widerstandsfähig, eigenständig, beinahe ausgestorben und heute wieder Teil der Berglandschaft. Ein stilles Symbol für diese Region.
Nach dem Skitag zieht es uns in den Spa. Der Stólla-SPA erzählt von Kupfer, Stein und Wärme: Sauna, Dampf, Alpenkräuter, Eisnebel. Weiter oben öffnet der Maisäss-SPA die Weite – mit Blick in die Berge, einem stillen Gipfelsee, viel Luft zum Atmen.
Unser Lieblingsplatz: die Sauna mit den schwebenden Schaukelliegen. Der Blick wandert hinaus in die umliegenden Berge, der Körper wird schwer, der Kopf leer. Genau dieser Moment bleibt.
Kulinarisch ist das Amrai ein Erlebnis für sich – vom entspannten Montafoner Schafmützen-Frühstück bis zum Abend am Kupfergrill. Regional, klar, präzise. Ohne Schnörkel, aber mit Tiefe.

Skifahren im Montafon – und die Totale

Tagsüber sind wir auf den Pisten unterwegs. Das Montafon gehört zu den vielseitigsten Skiregionen Vorarlbergs: breite, perfekt präparierte Abfahrten, moderne Bahnen, kurze Wege. Familien fühlen sich hier genauso wohl wie sportlich ambitionierte Skifahrer. Anspruchsvolle Skirouten eröffnen immer wieder neue Perspektiven – mit Panorama inklusive.
An unserem ersten Wochenende fahren wir die Montafon Totale Ski – und genau hier zeigt sich, wie gross und abwechslungsreich diese Region wirklich ist.

„Keine Piste doppelt“ lautet das Motto: ein ganzer Tag unterwegs durch die Silvretta Montafon.
10.000 Höhenmeter. 45 Pistenkilometer. 20 Lifte und Bahnen. Höchster Punkt: 2.430 Meter.
Ein Tag, der fordert – aber unglaublich viel zeigt. Unterschiedliche Hänge, wechselndes Licht, neue Perspektiven. Skifahren wird hier zur Reise durch die Region. Anspruchsvoll, abwechslungsreich, richtig spannend.
Mittags kehren wir am Hochjoch ein – im neu renovierten Kapellenrestaurant, wo sich auch das Restaurant Hanglage befindet. Ein architektonisch starkes Lokal mit moderner Küche, Weinbar und Lounge.
1.850 Meter über dem Alltag. Exklusive Weine, kleine Häppchen, entspannter Sound. Ein Ort, an dem wir am liebsten länger sitzen bleiben, als eingeplant.

© Robin Mayer – Montafon Tourismus GmbH

© Stefan Kothner – Montafon Tourismus GmbH

Gargellen – ein Tal weiter, eine Welt entfernt

Eine Woche später wechseln wir die Perspektive. Noch ein Tal weiter. Nach Gargellen.
Hier oben fühlt sich das Montafon plötzlich ganz anders an. Abgelegener. Leiser. Erdiger. Auf 1.423 Metern, im höchstgelegenen Bergdorf des Montafons, liegt das Alpenhotel Heimspitze. Das Haus ist urig, herzlich, unkompliziert. Man kommt an – und fühlt sich sofort willkommen. Alte Stuben, Holz, Wärme. Kein Chichi, kein Konzept, das erklärt werden muss. Einfach ein Ort, der geblieben ist.
Besonders hängen bleibt das Frühstück: intim, entspannt, überschaubar – und richtig gut. Frische Produkte, einfache Dinge, liebevoll gemacht, von hier. Genau richtig für diesen Ort. Auch das Wirtshaus überrascht. Man erwartet Bodenständigkeit – und bekommt eine Küche mit Gefühl und Können. Ehrlich, fein, ohne laut zu sein.

Raus aus dem Lift. Rein in die Stille.

An einem Morgen nehmen wir uns einen Bergführer. Eine dieser Entscheidungen, bei denen man im Nachhinein weiss: genau richtig.
Mit der Bahn fahren wir hinauf Richtung Silvretta. Noch sind wir Teil des Skigebiets, noch mitten im Geschehen. Ein typischer Skitag – Bewegung, viele Spuren im Schnee, dieses vertraute Bild.

Und dann: ein Abzweig. Raus aus der Piste. Raus aus dem Strom. Gemeinsam mit unserem Bergführer Matthias gehen wir auf Skitour. Für meine Frau ist es die erste Tour in dieser Region - man spürt ihre Aufregung, ein bisschen Nervosität, vor allem aber die grosse Vorfreude. Auch ich stand an diesem Gipfel noch nie. Matthias nimmt uns heute mit zu einem seiner Lieblingsplätze – einem Ort, den man nicht findet, wenn man allein unterwegs ist. Ein echter Geheimtipp, den er mit uns teilt.

Wir starten im Nebel. Der Himmel ist bewölkt, das Licht gedämpft, die Welt wirkt klein und still. Schritt für Schritt arbeiten wir uns nach oben. Knapp 800 Höhenmeter, ein gleichmässiger Rhythmus. Langsam. Sehr langsam. Vielleicht ein bisschen langsamer als nötig – Ela gibt das Tempo vor.

Und dann, oben auf dem Nebelgipfel der Madrisella auf rund 2.460 Metern, passiert es. Der Himmel reisst auf. Die Sonne kommt heraus. Plötzlich stehen wir im Licht. Strahlend blauer Himmel, klare Sicht, die Berge weit und offen vor uns. Ein Moment, der uns kurz sprachlos macht. Spektakulär – vollkommen unerwartet.

Vielleicht wären wir ein paar Minuten früher noch mitten im Wolkenmeer angekommen. Vielleicht war genau dieses Tempo der Schlüssel. Wir stehen da, lachen, atmen und wissen: Genau dafür sind wir hier.

Der Freeride nach unten ist die perfekte Fortsetzung dieses Moments. Pulverschnee, Flow, Konzentration. Jeder Schwung sitzt, alles fühlt sich leicht an. Action und Freiheit zugleich. Ein Abfahren, das nicht laut ist, sondern tief zufrieden macht. Ein Tag, der bleibt.

© Jo Dollinger

© Andreas Haller – Montafon-Tourismus-GmbH, Schruns

Zwei Wochenenden. Eine Region.

Das Montafon kann beides. Und genau das macht es so besonders. Top-Skigebiete mit modernsten Bahnen, ausgezeichnete Restaurants, luxuriöse Hotels – und gleichzeitig diese Ursprünglichkeit, diese stille Kraft der Berge, die spürbar ist, wenn man bereit ist, die Piste einmal zu verlassen. Dazu kommen Events wie der FIS Freestyle World Cup, die Open Faces Freeride Series oder weitere Freeride-Formate in der Silvretta Montafon, die zeigen, wie lebendig und vielseitig diese Region ist.
Für uns waren diese zwei Wochenenden die perfekte Mischung: Action und Ruhe. Luxus und Einfachheit. Bewegung und Innehalten. Und genau deshalb ist das Montafon ein Ort, an den man nicht nur reist, sondern immer wieder zurückkehrt.

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