Rund um den Kalterer See
10 Gründe, warum der Frühling in Südtirol hier beginnt
Kaltern am See und Tramin an der Weinstraße – zwei Weindörfer, ein See und das Gefühl, dem Sommer um Wochen voraus zu sein.
Es gibt Orte, die den Frühling nicht abwarten. Sie nehmen ihn sich einfach. Die Weindörfer Kaltern am See und Tramin an der Südtiroler Weinstrasse gehören zu dieser Sorte. Während nördlich des Brenners noch Schneereste an den Strassenrändern liegen, blühen hier bereits die ersten Apfelbäume. Zypressen stehen wie Interpunktionszeichen in einer Landschaft, die sich nicht entscheiden kann, ob sie alpin oder mediterran sein will – und deshalb beides ist.
Mittendrin: der Kalterer See, der wärmste Badesee der Alpen und zugleich der grösste natürliche See Südtirols. Er ist das verbindende Element zwischen den beiden Weindörfern – und zwischen Wein, Landschaft und einer Lebensart, die man anderswo erst im Mai findet.
Zehn Gründe, warum sich eine Reise hierher im Frühling besonders lohnt. Ohne Rangordnung, aber mit Überzeugung.
1 – Der See, der schon warm ist, wenn andere noch frösteln
Der Kalterer See hat eine Eigenschaft, die seinem Namen widerspricht: Er ist der wärmste Badesee der Alpen. Im Frühling, wenn die Nachmittagssonne die Wasserfläche trifft und am südlichen Ufer der Schilfgürtel im Wind schwingt, versteht man, warum er seit über tausend Jahren Menschen anzieht – schon im 10. Jahrhundert wurde er als «Lacus Caldari» urkundlich erwähnt. Stand-up-Paddle, Segeln, Tretboot oder schlicht: am Ufer sitzen, Aperitif, Eisbecher. Weniger ist hier oft alles.
2 – Zwei Dörfer, zwei Weine, eine Geschichte
Kaltern am See und Tramin teilen sich mehr als den See. Beide sind Namensgeber ihrer bekanntesten Weine – und das ist in der Weinwelt keine Kleinigkeit. Der Kalterersee, ein fruchtiger, frischer Rotwein aus der autochthonen Vernatsch-Traube, wird – kleine Provokation – leicht gekühlt getrunken. Der Gewürztraminer, benannt nach dem Dorf Tramin, ist ein vollmundiger Weisswein von seltener Aromatik, der hier seit über hundert Jahren besonders gut gedeiht. Dazwischen der Lagrein, Südtirols dritter grosser Autochthoner. Man muss kein Önologe sein, um zu verstehen, dass hier die Rebhügel nicht Kulisse sind, sondern Identität.
3 – Der wein.weg: 16 Kilometer zwischen Reben und Siedlungsgeschichte
In Kaltern am See führt der wein.weg durch jene Kulturlandschaft, die den Ort seit Jahrhunderten prägt. Zwei Schleifen stehen zur Wahl: Die eine führt ans Wasser, die andere durch Weingüter Richtung Oberplanitzing. Rund viereinhalb Stunden sollte man einplanen – nicht weil der Weg anstrengend wäre, sondern weil die Verbindung zwischen Reben, Geschichte und Gegenwart an jeder Wegbiegung zum Stehenbleiben einlädt. Der wein.weg ist weniger Wanderung als thematische Annäherung an eine Region, in der Weinbau nie aufgehört hat, Landschaft zu formen.
© TV Tramin, Antie Braito
4 – Der Gewürztraminer Weg: Durch die Rebberge, aus denen der Name kommt
Was der wein.weg für Kaltern, ist der Gewürztraminer Weg für Tramin. Vom historischen Dorfkern aus führt er in die umliegenden Rebberge – mit Blickachsen, die weit über die Talsohle reichen. Waldpassagen wechseln sich ab mit offenen Hanglagen, und irgendwo zwischen Bethlehem (ja, der Ortsteil heisst wirklich so) und dem südlichen Viertel Rungg begreift man, warum diese Traube ausgerechnet hier ihre Heimat gefunden hat. Die Runde dauert rund eineinhalb Stunden, der Erkenntnisgewinn hält länger.
5 – Die Rastenbachklamm: Ein kühler Kontrast zur milden Seelandschaft
Eines der fünf Biotope in Kaltern am See ist die eindrucksvolle Rastenbachklamm, die etwa 15 Gehminuten vom Seeufer entfernt liegt. Zwischen Felswänden und Wasserläufen entfaltet sich hier eine schattige, feuchte Landschaft, die in starkem Kontrast zur offenen, sonnigen Weinregion steht. Efeubewachsene Bäume, kleine Wasserfälle und das ruhige Rauschen des Wassers machen diesen Ort zu einem besonderen Naturerlebnis.
6 – Tramins neuer Apfelweg: Blüte als Landschaftskunst
Neben dem Wein gehört der Apfel zu den prägenden Produkten Südtirols – und Tramin hat ihm seit kurzem einen eigenen Weg gewidmet. Der neue Apfelweg führt durch eine einzigartige Kulturlandschaft, in der Obst- und Weinbau seit Jahrhunderten Seite an Seite bestehen. Besonders im Frühling, zur Zeit der Blüte, zeigt sich hier auf eindrückliche Weise, wie stark Landwirtschaft und Landschaft miteinander verwoben sind. Pastellfarbene Blüten, filigrane Äste und die Bergflanken im Hintergrund lassen die Wanderung zwischen Ende März und Anfang Mai fast wie eine südtirolerische Antwort auf die japanische Sakura-Zeit wirken.
7 – Die Mendelbahn: 854 Höhenmeter in 12 Minuten
In der Fraktion St. Anton in Kaltern am See steht eine der steilsten und längsten Standseilbahnen Europas – und sie ist keine touristische Erfindung, sondern ein Stück Ingenieursgeschichte. 1903 vom Schweizer Ingenieur Emil Strub erbaut, überwindet die Mendelbahn 854 Höhenmeter bei einer Steigung von bis zu 64 Prozent. Kaiser Franz Joseph nutzte sie 1905, auch Kaiserin Sissi und Mahatma Gandhi waren auf dem Mendelpass zu Gast. Heute bringt die knallrote Bahn mit Panoramadach ihre Fahrgäste im 20-Minuten-Takt auf 1’363 Meter. Oben öffnet sich der Blick auf das Etschtal, den Kalterer See und den gesamten Süden Südtirols. Von hier aus führen Wege auf den Penegal, auf den Traminer Hausberg Roen, mit 2’116 Metern der höchste Gipfel des Mendelkamms, und durch das Mendelgebirge. Für alle, die Gipfelfieber und Seeblick am selben Tag wollen.
8 – Romanische Kirchenorte und der Überetscher Baustil
Zu den stilleren Entdeckungen rund um den Kalterer See gehören romanische Kirchenorte mit Fresken – etwa St. Jakob und St. Valentin in Tramin, oder die St. Peter Ruine oberhalb von Kaltern am See, der ältesten Kirchenruine Tirols und als Besinnungspunkt Liebe Teil des Friedensweges in Kaltern. Sie stehen für jene Kulturspuren, die in Südtirol nicht monumental auftreten, sondern in die Landschaft eingebettet sind. Auch die Ortskerne beider Weindörfer erzählen Geschichte: Der Überetscher Baustil – Renaissance-Wohnhäuser mit Rundbogenfenstern, Loggien, Freitreppen und Innenhöfen – verleiht den Dorfzentren eine Atmosphäre, die an die Toskana denken lässt. Im Frühling, wenn die Region ruhiger atmet, lassen sich solche Orte besonders konzentriert wahrnehmen.
9 – 1′000 Kilometer Radweg und das Versprechen eines genussvollen Abschlusses
Rund um den Kalterer See beginnt der Frühling nicht nur früher – er beginnt auch aktiver. Bereits im März schwingen sich die ersten Ambitionierten in den Sattel: Das Radwegenetz umfasst rund 1′000 Kilometer, von E-Mountainbike-Routen in die umliegenden Hänge bis zu Strecken für Gravelbike und Rennrad. Über 200 Kilometer Wanderwege kommen dazu – der Kastelaz Familienweg und der Naturerlebnisweg in Tramin, das Bärental und der Friedensweg in Kaltern am See, dazu der Kalterer und Traminer Höhenweg für alle, die es ambitionierter mögen. Allen gemeinsam ist der genussvolle Abschluss eines aktiven Tages: Kalterer Plent, Traminer Reis, Südtiroler Äpfel und ein Glas Kalterersee oder Gewürztraminer – je nach Stimmung.
10 – Wo Wein- und Genusskultur zum Alltag gehören
In Kaltern am See und Tramin ist Genuss keine Ausnahme, sondern Teil des täglichen Lebens. Zwischen dolce vita, Aperitif und lokalen Spezialitäten wird hier erfahrbar, wie selbstverständlich Wein- und Esskultur die Orte prägen. Das Veranstaltungsprogramm ist vielfältig – besonders das Gewürztraminer Dinner am 24. April und Kaltern ganz in Rot am 15. Mai laden dazu ein, diese besondere Atmosphäre bewusst zu erleben. So zeigen sich Kaltern am See und Tramin nicht nur als Weinorte, sondern als Destinationen, in denen Genusskultur Tag für Tag gelebt wird.
Gut zu wissen: Der Südtirol Guest Pass
Der Südtirol Guest Pass ermöglicht die unbegrenzte Nutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel in Südtirol – inklusive der Mendelbahn. Er ist in den teilnehmenden Betrieben im Übernachtungspreis enthalten und bereits am Anreisetag ab dem Brennerpass nutzbar. Ein Argument weniger für das Auto, eines mehr für den Moment.

