Skip to main content

Schokolade & Konfitüre

Wien und seine Sachertorte

Sich an die Ufer der Donau schmiegend glänzt Wien mit seinem gemütlichen Charme und lädt zum Verweilen ein. Kaum eine andere europäische Stadt hat trotz Status als Millionenmetropole einen derart entschleunigenden Effekt und steht dabei für Kunst, Kultur und Kulinarik wie Österreichs Hauptstadt. Es fällt leicht, sich in den Gallerien und Kunstausstellungen zu verlieren und bei gemächlichen Spaziergängen durch Wiens Architektur die Seele baumeln zu lassen.

Dieser intellektuelle Feingeist findet sich auch in der lokalen Gastronomie wieder, wo sich eine eigene Kunstform gebildet hat, die Wiener Kaffeehaus Kultur. Eine Institution der Bohème, Künstler und Literaten, welche im späten 19. Jahrhundert aufkam, bis heute Bestand hat und 2011 sogar von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Es gibt einige kulinarische Spezialitäten, welche untrennbar mit der Geschichte der Kaffeehäuser verwoben sind. Eine gute Tasse Melange zum Beispiel. Oder ein dampfender Teller Schmarrn. Und natürlich die Sachertorte. Kein Besuch der Donaustadt ist vollständig, ohne das süsse Wahrzeichen Wiens probiert zu haben. Benannt ist Wiens bekanntestes Stück Kuchen nach seinem Erfinder, dem österreichischen Koch Franz Sacher. Dieser kreierte das ikonische Backwerk der Legende nach fast zufällig, als er im zweiten Lehrjahr für seinen erkrankten Chef einspringen musste, um ein besonderes Dessert zuzubereiten. Ihre heutige Persönlichkeit erhielt die Sachertorte allerdings von seinem ältesten Sohn, Eduard Sacher, welcher sie während seiner Ausbildung in der kaiserlich und königlichen Hofzuckerbäckerei Demel perfektionierte.

Wer heutzutage nach Wien kommt, hat mehrere Möglichkeiten, in den Genuss eines Stücks Sachertorte zu kommen. Der Duty Free Shop am Flughafen nimmt hierbei sicherlich die unromantischste Rolle ein. Stilvoller und authentischer geht es im Hotel Sacher zu. Eine Reservierung im Café Sacher oder gar in der Bel Étage sind dabei absolut empfehlenswert. Im plüschig klassischen Ambiente wirkt die schokoladige Süsse dann gleich auch stimmiger und irgendwie mehr zuhause. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir es hier mit einem Klassiker zu tun haben, der einer Epoche entstammt, in der Pâtissiers weniger schüchtern im Umgang mit Zucker waren. Da kommen die beiden Schichten an Marillenmarmelade als balancierendes Element gerade recht. Der Purist isst seine Sachertorte im Übrigen ausschliesslich mit ungesüsster Schlagsahne.

Natürlich wird ein Grossteil aller verspeisten Sachertorten von einem Heissgetränk begleitet, allen voran sicherlich die oben bereits erwähnte Wiener Melange. Doch erinnern wir uns, historisch gesehen ist sie eine Nachspeise, zu der sicherlich nicht immer alkoholfreie Getränke gereicht wurden. Hinzu kommt, dass Franz Sacher mit einer Winzerstochter verheiratet war und neben der Konditortätigkeit auch ein florierendes Weingeschäft betrieb. Beschäftigen wir uns also einmal mit der Frage, was denn der perfekte alkoholische Begleiter wäre. Und wenn auch nur als geistigen Zeitvertreib, in wahrer Kaffeehausmanier.

Wenn wir im Hotel Sacher verweilen, dann wird uns die Torte stilecht mit einem Glas Sacher Cuvée brut angeboten. Der von der Wiener Kellerei Schlumberger exklusiv für das Hotel produzierte Sekt wird aus der österreichischen Welschrieslingtraube gekeltert. Er bildet einen schön erfrischenden Gegenpol zur schokoladigen Süsse, hat aber genug Fruchtaromen, um auch mit der Marillenschicht hervorragend zu harmonieren.

Den gleichen geschmacklichen Effekt kann auch ein Glas Gemischter Satz haben, eine Wiener Weinspezialität, bei der unterschiedliche Rebsorten gemeinsam angebaut, gelesen und gekeltert werden. Da durch diese spezielle An- und Ausbauvariante die Weine sehr individuell ausfallen, wird nicht jeder perfekt zu unserer Torte passen. Der Rosengartel Wiener Gemischter Satz vom Weingut Wieninger hat aber alle geschmacklichen Attribute, um ihn zu einem perfekten Begleiter zu machen. Ein Hauch von tropischer Frucht und Aromen von Orangenzeste spielen fast schon weihnachtlich mit der Schokolade zusammen und ergeben ein stimmiges Gesamtbild.

Zu guter Letzt kommen wir natürlich nicht an einem Dessertwein vorbei. Und da kann Österreich als Weinland ordentlich auffahren. Eine besondere Form ist der Strohwein. Hierfür müssen die Trauben vor der Kelterung mindestens drei Monate auf Stroh lagern, wodurch sie trocknen und rosinieren. Durch die Verdunstung des Wassers steigt der Zuckergehalt. Man erhält einen süssen und gleichzeitig kräftigen Dessertwein. Ein tolles Beispiel kommt aus dem Burgenland. Der Schwarz Gold Strohwein von Johann Schwarz nimmt die Intension der in der Torte vertretenen Marillenkonfitüre auf und multipliziert sie. Ein geschmackliches Feuerwerk aus saftiger Passionsfrucht, süssem Nektar und gelber Steinfrucht gesellt sich zu der zartbitter-süssen Kakaonote. Das Ergebnis zaubert unweigerlich ein Lächeln ins Gesicht.

Sachertorte und Wein. Definitiv eine Kombination, welche sowohl geschmacklich, historisch und kulturell funktioniert und zum Experimentieren einlädt. Und Wien ist voller passender Orte für ein gemütliches Stück Torte und ein Glas Wein. Irgendwie scheinen die Uhren hier langsamer zu ticken. Nicht umsonst soll schon der grosse österreichische Komponist und Kaffeehausgänger Gustav Mahler gesagt haben: «Wenn die Welt untergeht, ziehe ich nach Wien; dort passiert alles 50 Jahre später.»

Leave a Reply

9 − 6 =